Fritzi Ernst (Support: SIC) | Bollwerk 107

Fritzi Ernst (Support: SIC)

20:00 Uhr / Konzert / Halle
 
Keine Termine, also. Um den naheliegenden Gag gleich zu Beginn abfrühstücken: Ja, es stimmt, es ist Pandemie und Fritzi Ernst veröffentlicht „Keine Termine”. Da ist sie natürlich in gewisser Weise nicht allein. Und wo wir schon beim Frühstücken sind: Ja, „Keine Termine” ist gleichzeitig Fritzi Ernsts Solodebüt nach dem Ende von Schnipo Schranke vor zwei Jahren.
 
Schnipo Schranke, die alte Band von Fritzi Ernst, sangen „über Pisse und Sperma, doch der eigentliche Star in ihren Liedern [war] nicht der Pipi-Kaka-Humor sondern Versagens-Ängste, Depressionen und Psychosen” (detektor.fm) und landeten nicht nur wegen der Über-Single „Pisse” in sämtlichen Jahrescharts, auf der Rock am Ring-Bühne, in ausverkauften Hallen, mit einer eigenen Kolumne im Musikexpress und bis heute in den Herzen aller Indie Pop-Fans. 2019 war Schluss für Schnipo Schranke und die Reise des Duos endete nach sieben Jahren und zwei Alben zum großen Bedauern von Fans und Feuilleton.
 
Musikalisch bieten die meist minimalistischen Arrangements von Fritzi Ernst die exakt richtige Kulisse für Texte, die so unprätentiös wie möglich daherkommen – kein Text über Musik, ohne das etwas „daherkommt” oder wer „entführt” wird, so will es das Musikgesetz – und dadurch eine enorme, jawohl, lyrische Power entwickeln, in der sich unterschiedlichster anarchischer Spielarten von Stereo Total über K.I.Z bis hin zu Helge Schneider bedient wird. Wobei, das stimmt auch nicht so ganz: Denn Fritzi Ernst entwickelt auf und mit „Keine Termine” eine eigene Stimme und einen eigenen Sound, also eine künstlerische Vision, der man wohl kaum dadurch gerecht werden kann, dass man sie reflexhaft zu anderen extrem kultigen Musikmännern oder ihrer alten Band in Bezug setzt. Vielmehr sollte man sagen: Hört dieses Album und erzählt euren Freund*innen davon. Wenn’s nichts für sie ist: Schade. Wenn sie erkennen, was für ein wahnsinniger Glücksfall “Keine Termine” geworden ist: Beglückwünscht sie! Oder wie Fritzi Ernst sagen würde: „Ich schenk’ dir alles Liebe und auch ganz viel Glück. Und wenn du das nicht haben willst, dann gib’s mir halt zurück” (“Alles Liebe”).
 
Im Bollwerk 107 tritt sie im Rahmen des Projektes „FLINTA*STISCH“ auf. Wir wollen FLINTA* eine Bühne und einen Raum zum ausprobieren, auftreten und austauschen geben. FLINTA* steht dabei für Frauen*, Lesben, Inter-, Non-Binary- Trans- und Agender Personen. Gemeinsam wollen wir ein Bewusstsein dafür schaffen, dass es viele Künstler*innen und generell Kulturschaffende gibt, die eine angemessene Plattform verdient haben.
 
Als Support tritt die Rapperin SIC auf. SIC ist Rap und Pop. Feminismus und Hip-Hop. Emotionale Nähe und ein bisschen Verwirrung. Trap-Einflüsse, epische mehrstimmige Passagen, Musik zum reinlegen. Fragilität und viel Energie. SIC liebt die Bühne. Sie ist unsicher, liebevoll, politisch. Positioniert sich in vielen Nebensätzen und Zwischentönen, die dann letztendlich alles prägen.
 
Tickets ab 15,00 Euro (+ Gebühren) im VVK
 
Foto-Copyright: Frederike Wetzels
 
Gefördert durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und SozioKultur NRW.
 

August 26 @ 20:00
20:00 — 22:00 (2h)

Halle

Bollwerk 107

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